Ein Ende gefunden

Pinnwand mit Material und Motivation. Zum Ende des NaNoWriMo ist der Roman-Entwurf fertig. 

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Skizzen

Gestern wieder „Schreiben-on-Tour“. Schreibend unterwegs, in irgendeinen Bus steigen, irgendwohin fahren, aufschreiben, was auffällt.

Ich habe den Ausflug diesmal dazu benutzt, die Protagonistin meines nächsten Romans kennen zu lernen, habe versucht, Menschen und Orte durch ihre Brille zu sehen und zu bewerten. Hier also einige Beobachtungen von Franziska Derossi, der Hauptfigur in meinem NaNoWriMo-Projekt, das in weniger als zwei Wochen startet:

 

-       Eine spricht leise in ihr Phone, hört zu und wiegt den Kopf, während sie lachend etwas wegwischt.

-       Den Trenchcoat-Gürtel hat er eng geschnallt, die Enden seines Schals akkurat übereinander gelegt. Bartschatten verdunkelt sein glatt rasiertes Gesicht. Die Augenbrauen permanent angehoben – schon graben sich Dauerfalten in die noch junge Stirn.

-       Ihre Bluse besteht aus Patches, mal schräg, mal grade, quer oder längs, blau- oder rot-und-weiß gestreift. Darunter trägt sie Jeans in Größe 56 (mindestens). Sie stöhnt und setzt den Rucksack neben dem Rollenkoffer ab. Na, gute Reise!

-       Mit Zottelmähne steigt er in den Bus, mit angegrautem, angegilbtem Vollbart und drei Kubikmetern von altem, kaltem Dunst um sich herum. Ankertattoo am Unterarm – Seebär, gestrandet.

-       Von der Plakatwand lächelt der Sänger, mit dem Franziska mal studiert hat, einladend auf sie herunter. Aus ihm ist was geworden. Zu dem Konzert geht sie bestimmt nicht.

-       Schuljungenstimme hinten im Bus tut quäkend wichtig, hört nach der nächsten Haltestelle auf. Draußen verschwindet ein blonder Haarschopf um die Ecke – sieht aus wie ein so netter Junge.

-       Misteln schmarotzen draußen auf den inzwischen kahlen Zweigen, jetzt wieder sichtbar.

-       Fades Gesicht, unreine Haut, aber den Ausschnitt ihres Shirts hat sie bis über beide Schultern nach unten geschoben. Hat sie sonst nichts zu bieten? Ihr Blick sucht.

-       Ein Anbau mit Säulen am Reihenhäuschen – Besitzer’s castle“.

-       Hängt einer die zwei Handtücher im Vorgarten vom Wäscheständer ab und lässt sich Zeit und dreht sie um und lässt sich dabei Zeit und hängt sie wieder auf. Sein kleines Lächeln wird breiter, als er jemandem weiterhelfen kann – da lang, sagt er.

-       Stadtfein gemacht mit Ohrringen, die nach Bijoux Brigitte glitzern, Schnallen an ihren Lackschuhen, schwarz glänzende Dauerwelle überm faltigen Gesicht, fährt sie im Bus - vielleicht zum allwöchentlichen Besuch bei ihrem Sohn oder der Tochter, oder zum allmonatlichen, vielleicht auch nur alljährlichen Treffen mit ihnen oder … Fährt sie etwa zum Tanztee? Die Haare sind doch ganz bestimmt gefärbt!

-       Und Franziska fährt jetzt nach Hause, wo sie sich wieder vergraben kann und ihre Ruhe hat vor all der lästigen Nähe und den Gedanken. 

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Mordsstimmung?

 

Heute waren Anthologie und Vertrag im Briefkasten.

 

Weihnachtsselig fühlt sich Dr. Peter Arndt in meiner Geschichte "Hausbesuche" nicht. Weinselig schon eher, oder unselig. 

 

Aus dem Text:

 

Wieder Stau. Und Nebel im Flusstal. Oder immer noch? Der ganze Tag verschwamm im Nebel, nur ein Bild darin klar und deutlich: eine offene Tür, dahinter die Rezeption – vom Eingang aus war sicher nichts zu sehen, es musste wirken, als wäre niemand da.

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Albert, II

Meine "Gedankenbewahrerin" vom letzten März schrieb die Sentenzen ihres Mannes Albert auf. Er dozierte auch über Bäume:

 

„Setz dich!“, befahl Albert und: „Schreib!“ Oh … Sie kramte das blaue Heft heraus, schlug es auf, zückte den Stift und sah ihren Mann an.

„Baum!“, verkündete Albert. „Wann ist ein Baum ein Baum? Im Winter sehen wir den Stamm, die Äste, Zweige. Im Sommer sehen wir das Laub, wir sehen sein Gerippe, sein Skelett, seine Struktur nicht mehr. Schreib schneller!“, herrschte er sie an, als sie nicht mitkam. „Das ist hier keine Schönschreibübung, du sollst notieren, was ich sage, bevor ich alles wieder vergesse!“ Seine Ermahnungen zwischendurch brauchte sie immer, um mit seinem Tempo Schritt zu halten. „Wann also“, sinnierte Albert weiter, „erfassen wir das Wesen eines Baumes? Können wir ihn je als ein Ganzes wahrnehmen und begreifen?“ Er sah triumphierend in die Runde, die Gespräche an seinem und dem Nachbartisch waren verstummt, alles blickte auf ihn. Margarethe stand über das Heft gebeugt, das sie zwischen Alberts Kuchenteller und Herrn Blaschewskis Tasse gequetscht hatte. Albert wedelte mit der Hand, das hieß, sie war entlassen. Den Rückweg zu ihrem Kaffeegedeck – Kirschsahne diesmal, das eine Highlight dieser Ausflüge – nahm sie außen herum. Frau Rambach sagte leise etwas, Margarethe verstand nur „Imponiergehabe“. Frau Leisel daneben sagte lauter: „Aber es ist doch so interessant, was er immer für Gedanken hat!“ Margarethe setzte sich wieder. Sahnetorte und Alberts Gedanken, ein guter Tag. 

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Neues Gedicht

Nur wer ...

... das alte Lied kennt, versteht den Anfang als Zitat.

Ein neues Gedicht - hier.

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Mit der Gedankenbewahrerin unterwegs

Beim Schreiben-on-Tour gestern fiel mir die "Gedankenbewahrerin" ein, eine Frau, die immer die mehr oder weniger tiefsinnigen Sentenzen ihres Mannes aufschreibt. Aus meinem Text:

So führte sie nun seit vielen Jahren sein Tagebuch, stellte sie sein philosophisches Wörterbuch zusammen.

„Rost!“, sagte Albert. „Rost ist der Aggregatzustand des Alters. Nicht mehr so fest wie früher, sondern brüchig, bröckelig. Er löst sich auf, er rieselt. Wird verschwinden.

Aber vorher“, sagte Albert und zeigte auf den alten Güterwaggon, „vorher welkt er vor sich hin, auf dem Abstellgleis, in aller Schönheit.

Oder?“, fragte Albert laut. Natürlich guckten alle zu ihm her, natürlich auch die Rambach, mit gespitztem Mund, gerümpfter Nase, wie Margarethe aus dem Augenwinkel sah. Doch Albert störte das nicht. „Oder?“, wiederholte er noch lauter. „Sie, junger Mann, Sie fotografieren die Schönheit des Alters?“ Der angesprochene junge Mann auf demselben Bahnsteig machte noch ein Bild vom Güterwaggon auf dem Gleis nebenan, drehte sich um, richtete die Kamera auf die Seniorengruppe und drückte auf den Auslöser. Dann machte er eine knappe Verbeugung und ging. 

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Nanu?

Hat sich das Osterwetter in den Dezember verirrt? Der Weihnachtsmann zwischen Nymphen und andere leicht Bekleidete?

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Cracking Christmas Crackers

In England findet man sie zu Weihnachten als Christmas Crackers, die bunten Dinger, die wir hierzulande Knallbonbons nennen. Und so gab es zum Dezember-Schreiben-im-Café für jede einen Christmas Cracker als Schreibimpuls. Drin waren je ein kleiner Schokobär, ein Kühlschrankmagnet in Form eines Kronkorkens mit Tiermuster, anderen kleinen Bildchen oder YES oder NO innen, ein kleiner Glitzerstern und zwei Filzbuchstaben (- aber kein Knall!).

Von der Geschenkrolle, dem Inhalt oder auch einem der Wörter aus einem alten Buch, das ich für die Verpackung benutzte, ließen wir uns zu ganz unterschiedlichen Texten anregen.

Hier ein paar Splitter daraus:

 

*Einmal habe ich “Yes” gesagt – und das mit erheblichen Folgen für mein weiteres Leben. – Armgard Dohmel

*Der Button des Anstoßes hatte sich selbständig gemacht, die Botschaft

war in Wirklichkeit nicht "ON", sondern "NO".  - Sylvia Röhsler

*Es dauerte 98 Tage, bis ich merkte, dass ich ein ernstes Drogenproblem hatte. Es dauerte weitere 98 Tage, bis ich entzogen hatte. ... Mein Leben dauerte 98 Jahre, während derer mich Omas Kuschelbär oft  wärmte. - Janine Hugot

*"-lich": wunderbar taugliche Adjektivsilbe. Vielfach verwendet in der Weihnachtszeit. Zum Beispiel in wunderlich, festlich, heimlich, friedlich, fröhlich, besinnlich, oder doch fürchterlich, gräulich, entsetzlich dieses christliche Fest? – Jutta Parchert

 

Kryptisch zum Teil, skurril ... Wer neugierig wird, wie so was zustande kommt, und das Schreiben im Café vielleicht selbst mal ausprobieren möchte - am 28.1.2016 findet das erste Treffen im Neuen Jahr statt. Alle weiteren Termine sind hier zu finden.

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Übers Überarbeiten

"Work in Progress" hieß die Sendung im Freien Radio Wüste Welle, zu der Elvira Stecher mich einlud. 

Einige Themen, die wir besprochen haben:

* Plotten und Planen oder Drauflosschreiben,

* Autobiografisches oder Fiktion, 

* Verstecken und Zeigen - ja, gleichzeitig! -, 

* "NaNoWriMo" und "NaNoEdMo",

* ein Episodenroman und

* die berüchtigte Normseite - die nach Anschlägen, nicht nach Wortzahl bemessen wird.

Hauptsächlich aber ging es ums Überarbeiten. Ich las verschiedene Textstellen in der ersten Fassung und danach die überarbeitete Version. Interessant: Manchmal gab es bei den drei Zuhörern im Studio drei verschiedene Meinungen dazu.

Wer sich selbst eine Meinung bilden möchte, kann das Interview und die Leseproben hier nachhören.

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Ach du Liebe Advents-Zeit

 

Elvira Stechers Literaturfenster im Radio Wüste Welle gestern.

Das Thema: Liebe - und was das wohl sei. Es gab die unterschiedlichsten Interpretationen. Ich las meine Moritat "Löwe und Lamm - oder die schreckliche Ehegeschichte von Leo und Agnes", nachzuhören hier - nicht ganz im Geist der Jahreszeit, aber wenn die Liebe nun mal so hinfällt ...

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Ayer por la noche (= Gestern Abend)

 

Gestern Abend fand also "Esta noche" statt, die Flamenco-Veranstaltung.

Nein, auch wenn ich mich im Titel so spanisch aufführe - ich spreche die Sprache nicht, ebenso wenig wie ich jemals in Sevilla war. Beides habe ich mir im Internet zusammengesucht, spanische Brocken und Bilder aus der Stadt. 

 

Das Vorstadttheater war voll, die Bühne auch: drei Instrumentalisten, eine Sängerin, die Tänzerin. Und ich las meinen Text über einen deutschen Touristen und seine vier Abende in Sevilla. Die Internetrecherche war erfolgreich - mehrere Zuschauer sprachen mich auf meine Geschichte an und bestätigten: Genauso sei es dort, ich hätte die Atmosphäre getroffen. Bueno.

 

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Olé - otra vez!

Und wieder habe ich mich mit meiner Flamenco-Lehrerin zusammengetan.

Maßgeschneidert für diese Veranstaltung ist meine Geschichte "Esta noche", die ich schon in der Reutlinger Kulturnacht und im K'ffeehaus gelesen habe. 

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Zwei oder dreieinhalb Dinge


Zwei oder dreieinhalb Dinge –Texte aus dem Café

Seit Jahren treffen sie sich allmonatlich zum „Schreiben im Café“ und haben schon im frechen Frühling, süffigen Sommer, höllischen Herbst ihre Blätter, Notizblöcke, Stifte gezückt, sogar im Wirbelwinter. Nun stellen einige der regelmäßigen Teilnehmerinnen eine Auswahl ihrer Texte vor. Themen sind z.B. Adressbücher, Designerplastiktüten, rebellische alte Damen und das ICH-, das DU-, das WIR-Gefühl.

Lesung am 11.11.2015 um 20.00 Uhr

im Café Nepomuk, Unter den Linden 23, Reutlingen

Eintritt frei

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Himmlisch - noch eine Geschichte

Sie hätte es wissen müssen, damals schon.

Glutrot der Himmel an ihrem ersten Abend. Das Zeichen hat sie nicht beachtet. Hat es vielmehr als gutes Omen ausgelegt, den Sonnenuntergang angeschmachtet. Rot wie die Liebe, sagte er. Sie wollte ihm gern glauben. Irrtum, stellte sich später raus. ...

Sie glaubte aber selber dran, zumindest anfangs. Es war so einfach, als sie am Abend mit ihm Richtung Westen fuhr, zu seinem Haus. Als müsse es so sein. Der Himmel rot, er bremste, fuhr an den Rand, dann saßen sie in seinem Auto, lange, und schauten. So einen Mann hatte sie noch nie getroffen, einen, der für den Sonnenuntergang anhielt. Romantisch rot bestätigte der Himmel, dass es Schicksal war. 

 

Dies ist ein Auszug aus meiner Geschichte "Der letzte Irrtum" in der Anthologie "Himmel.Hölle.Heimatkunde" vom Hessischen Autorenpreis, eben erschienen im Wortwechsel Verlag

 

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Taktgefühl - Lesung und Flamenco

Noten und Text

Was haben ein Förster, der den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, eine obskure Taverna in Sevilla, Außerirdische auf der Bergwiese und der Bauch des Mondes gemeinsam? Um Taktgefühl geht es in den Geschichten von Heidemarie Köhler und Jutta Schönberg von der Autorengruppe "LiteRatten". Karin Mohr tanzt südspanisches Flair aufs Parkett - natürlich im Flamenco-Takt, für den Ralf Harwarth und Erik Soyez, Gitarre, und Gert Baumhauer, Percussion, sorgen. 

Am 26.9.2015

im Rahmen der Reutlinger Kulturnacht

um 19.00 und 20.00 Uhr,

Kaffee-Fleck, Kanzleistr. 8

Eintritt mit Kulturnachtbändel

www.flamensol.de,

www.jutta-schoenberg.de

 

 

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Hingeblättert

 

 

Wie man auf den bunten Flyern (fast) lesen kann: Am Sonntag, 13.9.15 um 17.00 Uhr, findet wieder eine Ausgabe von "Elviras Gartenlese" statt, bei der Pergola im Arboretum, oberhalb des Botanischen Gartens Tübingen gelegen. Eingang auf der Nordseite des Nordrings.

Beatrice Fabricius-Kaán, Elvira Stecher und ich lesen von losen Blättern (Wortspiel beabsichtigt!), Wind und Herbst. Wolfgang Gruber improvisiert auf dem Akkordeon.

 

 

 

 

 

Textbeispiel aus meinem Monolog "Kuckuck":

Es ist bloß sonst so dass ich hier meine Ruhe will besonders jetzt wo manchmal noch die Sonnenstrahlen durch die Blätter Wird ja bald kühler Na bei kahlen Ästen kommt mehr Licht durch Finden Sie nicht dass die Natur das praktisch eingerichtet hat Im Sommer spenden die Bäume Schatten und im Winter lassen sie Sonne durch Haben Sie da schon mal drüber nachgedacht Na Sie schreiben ja Wahrscheinlich denken Sie lauter so kluge Sachen wahrscheinlich mehr als ich

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Herzlich ...

... willkommen fühlen wir uns in Dänemark, unserem alljährlichen Sommerzuhause.

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On-Tour again

WoW! Gestern wieder schreibend unterwegs
WoW! Gestern wieder schreibend unterwegs
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Mittsommerlich kühl

Regentropfen,aufgereiht an der Banklehne

Banknoten nannte ich diese aufgereihten Regentropfen gestern vor dem Tropicarium. Dort trafen sich der Musiker mit seinem Instrument und die drei Autorinnen mit ihren Texten zur Probe für

                                "Elviras Gartenlese",

die wie im letzten Jahr wieder am Tag des Botanischen Gartens stattfindet.

Diesmal ist unser Motto "Mittsommer", passend zum Datum:

Am 21.6.15 nämlich, um 14.30 Uhr und 16.30 Uhr bei der Pergola im Arboretum, Tübingen, gibt es Lyrisches und Prosa zum Thema zu hören, dazu Akkordeonmusik, nicht so monoton wie die Regentropfen oben.

 

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24 Tage im Dezember

***1***

Ihr Blick fällt auf die Zeitanzeige, als sie gerade umspringt: Null Uhr Null. Wieder Dezember angebrochen, ihr 57. und sicher keiner ihrer besten.

Früher hat sie den Winter geliebt, die Adventszeit. Als Kind, wenn Mama backte. Auch als sie selber Mama einer Tochter war. Zumindest hat sie sich bemüht, hat Teig geknetet mit der Kleinen, die mit dem Feuereifer dabei war, den bei solchen Tätigkeiten angeblich alle Kinder an den Tag legen. Melanie bewies ihr, dass die Klischees,  an die sie nie geglaubt hatte, doch wahr sein konnten – das kleine Mädchen backte leidenschaftlich gerne Plätzchen. Ausstechen, einen Stern nach dem anderen, ein Tannenbäumchen, noch eines, Engel. Alles fein säuberlich aufs Blech. Den verbliebenen Teig zusammenkneten, ausrollen, wieder von vorn. Und noch einmal und wieder. Bis dann der allerletzte, inzwischen graue Teigrest endlich im Kindermund verschwunden war.

Dezember geht nun also unvermeidlich wieder los. Sie hievt sich hoch. Das war mal leichter, früher, als sie selbst noch leichter war. Lange her, nun ja. Nicht drüber nachdenken. Das Sofa zum Bett umbauen, im Schlaf den Winter vergessen. Winterschlaf, am liebsten. Aber sie ist ja wieder hellwach. Dann also einen Film anschauen, den heutigen Abend verlängern, den Dezember betrügen. Denn diese Zeit jetzt vor dem Schlafengehen, das ist doch noch der Rest von gestern, vom Novembertag. Na also. Wenn sie lange aufbleibt, fängt morgen der Dezember ein paar Stunden später an. Unschlüssig vorm Regal. Ja, der Piaf-Film. Dabei vergisst sie jedes Mal sich selbst und Raum und Zeit. Gute Idee, die Zeit vergessen. Piaf genießen und bewundern, Edith, ihr großes Vorbild. Also rein mit der DVD, wieder aufs Sofa, zurücklehnen, so tun, als wäre es November.

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Kalenderblätter

 

 

Ab 1. Dezember hier zu lesen:

 

"24 Tage im Dezember" -

eine Adventskalender-Kurzgeschichte, täglich ergänzt

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Frauen mit großen Füßen

Stories von Heidemarie Köhler und Anke Laufer: flatterhaft, abgründig, eigen.

Freitag, 21. November 2014, 20.00 Uhr

im K'ffeehaus, Kirchentellinsfurt, Am Plon 2

Eintritt 4.00 Euro. Anmeldung im K'ffeehaus unter 07121-1388439

 

aus meinem Text "Hoch hinaus":

Als Papa packte, musstest du dringend in die Küche, du rührtest deine Sauce, unabkömmlich. Ich krallte mich im Wohnzimmer an seinem Koffer fest, Papa pflückte mich ab, er hob und drückte mich, drückte mir einen Kuss auf die Backe.

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Über Grenzen

Spitzenschaum

In den Norden reiste ich mit meiner Figur Blandine im Gepäck:

 

Seewärts

Spitzensaum sekundenschnell in Sand gestickt – gleich wieder weg – am Spitzensaum entlang am Spitzenschaum – den Fuß in feuchten Sand setzen ins Wasser tunken – von Wellen überspült umspielt – einsinken – untergraben werden unterspült – Boden verlieren – taumeln wiederfinden – stehen gehen stundenlang – ihre Fußspuren gelöscht als wäre sie nie da gewesen – hinein dann waten – langsam erst – noch auf der Hut noch scheu – bis sie sich endlich in die nächste Welle stürzt von Fuß bis Kopf – getragen von der Wasserschaukel im Rauschen Strömen – Schwimmzüge Atemzüge Wellenrhythmus alles passt zusammen 

so war es damals immer wie hätte sie an jenem Tag darauf verzichten können – das Meer so nah wissen aber nicht hinein – Elternbeschluss Ausflug ins Landesinnere – sie musste morgens vorher an den Strand – allein da offensichtlich niemand Verständnis hatte – so früh noch ganz allein – die Strömung seewärts – wie war das möglich – die Wellen spülten doch ans Ufer – trieben sie trotzdem ab – sie ruderte dagegen an mit immer heftigeren Schwimmzügen – verlor den Rhythmus – zappelte verlor die Kraft – schluckt Wasser prustet paddelt

Und danach sind wir nie wieder ans Meer gefahren, sagt Blandine. Sie haben es mir übel genommen.

Franziska nickt. Die Frage ist nur, was, sagt sie.

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Scriptum

Nachwirkung des Schreibspaziergangs "scribitur ambulando":

Den folgenden Text habe ich Blandine in den Mund gelegt, einer Figur, an der ich seit Beginn dieses Jahres arbeite.

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Scribitur ambulando

Tuffstein, Wiesaz, Gönningen
Nicht in Stein gemeißelt ...

... stelle ich mir die Regeln für die geplante Unternehmung "scribitur ambulando" vor, sondern eher locker:

Wir machen einen gemeinsamen Spaziergang bei den Gönninger Seen und an der Wiesaz. Halten mal hier, mal dort. Schreiben, notieren, skizzieren, was uns ein- und auffällt.

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Dritte Gartenlese

Zum "Finale" der Gartenlese laden wir herzlich ein.

Unter dem Titel "Worte tauchen auf" lesen Beatrice Fabricius-Kaán, Elvira Stecher und ich am Sonntag, 13.7.2014 um 14.00 Uhr, am Seerosenteich im Botanischen Garten Tübingen. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung vor dem Tropicarium oberhalb des Teichs im Trockenen statt.

Drei sehr verschiedene Autorinnen variieren die Themen Wasser und Worte.

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Im Schaffwerk geschafft

ein Dach aus Fenstern
ein Dach aus Fenstern

Geschafft:

Wo Lampen leuchten oder nicht  

Uhren nicht gängige Zeit angeben – oder?

Wo viele Mühlen langsam mahlen oder gar nicht

Ist dort der Mittelpunkt der Welt

Oder ist es der Nabel draußen  

Umgeben von konzentrischen Kreisen

Verschmitzt die Drecklach vor dem Haus oder verspritzt

Und wenn die Schrottprinzessin weint kann einer lachen

Im Rahmen ist hier nichts

Sogar die Spiegel schräg

Und bunte Schwellen laden ein ins Gestern

Vorgestern Übermorgen

Heut und Immer

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Vom Schweigen lesen

wir sehen ein gitter

durchbrochen von sprache

(Rotraut Schneemann)

 

Unter diesem Motto lesen Teilnehmerinnen des Tübinger Lyrikseminars von Eva Christina Zeller am 29.6.2014 zur Finissage der Ausstellung "zwei mundvoll schweigen" (mehr dazu unter: Termine)

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Über den Durst

stachelig

Hochsommerlich war es gestern bei der "Gartenlese" im Arboretum. So genügsam wie die Kakteen war ich nicht, sondern eher wie Barbara im B-Text meiner alphabetischen Skizzen:

"Betty Bunsen brennt bombigen Birnenschnaps. Barbara bechert begierig. Benita beobachtet beide."

Nur habe ich natürlich keinen Birnenschnaps getrunken, sondern Wasser. Das haben alle reichlich gebraucht, die Lesenden, das Publikum - und die Pflanzen im Botanischen Garten.

 

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Kulturnachtaktiv

Generalprobe: Alles klar für "nachtaktiv" mit den LiteRatten und Barazi & Her Boys. Foto: Raphaela Weber
Generalprobe: Alles klar für "nachtaktiv" mit den LiteRatten und Barazi & Her Boys. Foto: Raphaela Weber

 

 

"nachtaktiv" - Lesung und Jazz heute Abend im Rahmen der Tübinger Kulturnacht um 20.00 und 21.00 Uhr im Gemeindesaal St. Johannes, Tübingen, Bachgasse 3.

Eintritt mit Kulturnachtbändel

 

 

 

 

Und so fangen unsere nachaktiven Texte an:

 

Dirk Brantl: Caceres genoß die Zeit allein auf dem Flur. Es hatte auch Vorteile, ein Hypochonder zu sein.

 

Heidemarie Köhler: Bewegungsmelder. Die Dinger hat er immer schon gehasst. Und jetzt erst recht. Überfallen einen grell, wenn man arglos ein paar Schritte in der Dunkelheit bloß um sich auszulüften. Nur eine Frage der Zeit, wann so ein Opa der nicht schlafen kann seine Nase raus.

 

Anke Laufer: Bild 1-3, Nachtaufnahmen. Stativ. ISO 100. Man kann sehen, wie in der Hagrosenhalde die Irrlichter der Taschenlampen über Hauswände gleiten, durch wogende Baumkronen, an dunklen Buchsbaumhecken entlang.

 

Klaus-Dieter Reichert: Seit Stunden in strömendem Regen unterwegs. Endlich – die Hoffnung war bereits zu einem armseligen Flämmchen verkümmert – die verschwommenen Konturen eines Ortes.

 

Jutta Schönberg: Murad Arslan parkte den Wagen und schaltete die Scheinwerfer aus. Er freute sich schon, freute sich auf den Staubsauger seines nächsten Kunden. Die Anwaltskanzlei Schröder, Roberts und Müller hatte den besten Staubsauger, den Murad kannte.

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Fern schweifen oder nah entdecken

Notizen vom Schreiben-on-Tour

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Es grünt ...

Flyer Lesung im Tropicarium

 

 

... auch im Winter im Tropicarium in Tübingen.

Dort lesen wir Texte, die von verlorenen und gefundenen Paradiesen handeln, weit weg und manchmal unvermutet ganz nah.

 

Ein Auszug aus meinem Text "Feige":

Du möchtest zugreifen willst dir nicht die Hände schmutzig machen du lässt sie hängen du bedauerst gehst Feige wendest du dich ab süße paradiesische Verlockung hinter dir Du hättest nicht das Paradies verspielt wie Eva

 

Aus dem Text "Der Glasflügelfalter" von Beatrice Fabricius-Kaán:

Aus der starren Puppe entschlüpft, breitet er zitternd seine klaren Flügel aus und erhebt sich, nach einem Moment der Stille, wie ein Lichtfunke in die Dichte des Waldes.

Bei seiner ersten Rast, auf einem breiten Blatt, malt sich langsam das bunte Auge eines Chamäleons auf seine hellen Flügel.

 

Aus dem Text "Glücksfährten" von Elvira Stecher:

"Doch - vor allem musst du alles ganz langsam tun. Schau, wo du hinfasst.  Kau - das Blatt, mahle es rechts, mahle es links, drücks an den Gaumen - schmeckt so grüüün! Sonne scheint dir auf den Pelz. Langsam, gehs ganz laaangsam an."

 

 

 

 

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Alle Jahre wieder ...

Sonntägliches NaNo-Treffen: Motivationsschub, Austausch, Ideenbörse - Foto: Anke Laufer
Sonntägliches NaNo-Treffen: Motivationsschub, Austausch, Ideenbörse - Foto: Anke Laufer
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Die regen Tropfen

Pfütze, Kreise

Notizen unterwegs, vorgestern beim Schreiben-on-Tour:

 

Es gibt freundliche Regentropfen – diese sind es nicht. Sie sind auch nicht feindlich, sie kümmern sich gar nicht um dich, haben sich nicht gegen dich verschworen, rotten sich nicht zusammen, um dich zu ärgern, dich nass zu machen, damit du frierst. Sie fallen einfach, einer wie der andere, in Massen, neben- und nacheinander, miteinander, und es ist ihnen gleichgültig, wo sie landen.

Zum Beispiel in einer Pfütze, wo sie Ringe bilden, die größer werden, einander überlappen. Riffelmuster, eilig gemalt, verändert im Bruchteil von Sekunden. Und Blasen auf der Oberfläche, die zerplatzen. Der eine oder andere Tropfen springt nach der Landung wieder hoch, kleine Fontäne, rührender Versuch. Versuch? Hier versucht niemand was, nur du. Versuchst den Regentropfen Sinn zu unterstellen, eine Absicht. Absurd. Die Kreise in der Pfütze, mathematisch fast, doch nicht vom Mathematiker gezirkelt. Ellipsen, genau betrachtet, hier von der Seite, dein Kopf macht sie zu Kreisen.

Mit dem versuchst du eine Momentaufnahme, willst einen Augenblick als Standbild festhalten. Unmöglich. Versuche: Die Augen schließen, kurz auf, ganz kurz nur – gar nichts erkennst du da, ein großes Ganzes, das verschwimmt. Du machst ein Foto mit der Kamera, die leistet mehr als deine Augen.

Ein Bus fährt vor. Die Leute steigen ein, du nicht, du bleibst noch. Sitzt hier, auf dieser Holzbank unter der Arkade, und schaust dem Regen zu. Der Bus fährt ab und gibt den Blick frei auf den Brunnen gegenüber, der dir jetzt erst auffällt, der Wasser trielt, immerzu Wasser trielt aus vielen Rohren, von hier aus siehst du fünf davon, es müssen acht sein, denkst du. Später wirst du hinübergehen und sie zählen – zwölf sind es. Zwölf Wasserstrippen aus dem Brunnen verlieren heute gegen Regen, gegen Regentropfen, die gar nicht angetreten sind in diesem Wettkampf und unentwegt aus einem hellgrauen Himmel fallen, gleichgültig, wohin. Auf Ziegeldächer, die sie nass lackieren, kreiselnd in Pfützen. Und auf dich, wenn du  jetzt weitergehst.

 

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