Über Grenzen

Spitzenschaum

In den Norden reiste ich mit meiner Figur Blandine im Gepäck:

 

Seewärts

Spitzensaum sekundenschnell in Sand gestickt – gleich wieder weg – am Spitzensaum entlang am Spitzenschaum – den Fuß in feuchten Sand setzen ins Wasser tunken – von Wellen überspült umspielt – einsinken – untergraben werden unterspült – Boden verlieren – taumeln wiederfinden – stehen gehen stundenlang – ihre Fußspuren gelöscht als wäre sie nie da gewesen – hinein dann waten – langsam erst – noch auf der Hut noch scheu – bis sie sich endlich in die nächste Welle stürzt von Fuß bis Kopf – getragen von der Wasserschaukel im Rauschen Strömen – Schwimmzüge Atemzüge Wellenrhythmus alles passt zusammen 

so war es damals immer wie hätte sie an jenem Tag darauf verzichten können – das Meer so nah wissen aber nicht hinein – Elternbeschluss Ausflug ins Landesinnere – sie musste morgens vorher an den Strand – allein da offensichtlich niemand Verständnis hatte – so früh noch ganz allein – die Strömung seewärts – wie war das möglich – die Wellen spülten doch ans Ufer – trieben sie trotzdem ab – sie ruderte dagegen an mit immer heftigeren Schwimmzügen – verlor den Rhythmus – zappelte verlor die Kraft – schluckt Wasser prustet paddelt

Und danach sind wir nie wieder ans Meer gefahren, sagt Blandine. Sie haben es mir übel genommen.

Franziska nickt. Die Frage ist nur, was, sagt sie.

ins Blaue geschaut

Den Süden wollte ich meiner "Blandine" mit ihrer Furcht vor Dunkelheit nicht zumuten. Die Schatten der Schweizer Berge hätten ihr nicht so gefallen wie das Licht in Dänemark.

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Kommentare: 1
  • #1

    Barbara (Donnerstag, 23 Oktober 2014 10:17)

    Die Leckwellen ziehen mich ungemein.
    Den Blick im Schweizer See werde ich nur faul.