Der Alraune-Effekt

textil und lebensgroß

Wenn ich früher nach einem Fellini-Film aus dem Kino kam und mich im realen Leben umschaute, sah ich überall Gesichter, wie sie beispielsweise in "Roma" passen würden. Ich nannte das den Fellini-Effekt.

Ähnlich erging es mir nun bei meinem Besuch im Panoptikum der Alraune Siebert in ihrem Hotel Schwanen in Haigerloch, wo alle Räume von skurrilen Wesen bevölkert sind, lebensgroßen Puppen, "ausgestopft und zugenäht", wie sie schreibt, von ihrer Erschafferin. Der Alraune-Effekt führte dazu, dass ich mir bei jedem Blick ins Gesicht anderer Besucher vorstellte, wie ich sie aus Stoff formen, wo ich Nähte und Falten setzen würde. Ich überlegte, ob dieser ulkige Zustand bei der Textilkünstlerin Alraune wohl der Normalzustand ist.

Handarbeit

 


Große Maler haben oft nur Gesicht und Hände selbst ausgeführt und den Rest ihren Gehilfen überlassen. Alraune macht seit Jahren alles selbst und allein.

Auch ihre Hände sind Meisterstücke. Knöchel, Fältchen, alles fein gestichelt - und immer wieder taucht in ihrem Hotel eine Ansammlung von Fingern auf, die in goldenen Schneckenhäusern stecken. Abgeschnittene Finger?

Was wäre die Meisterin ohne ihre Fingerfertigkeit?

 

 

 

 

 

 

 

 

Spitzen-Spargel -

ein Augen-Schmaus, ebenso wie die Erdbeeren.

Die Ausstellung "Menschen im Hotel" läuft nur noch bis zum 31.10.14.

Ob die Figuren dann eingemottet werden? Oder verbringen sie die Winterpause etwa in "Roma"?

Ab Ostern 2015 werden sie wieder zu sehen sein in der neuen Ausstellung "Sieben Hochzeiten und ein Mordfall".

 

Erschlagen von der Fülle, lasse ich mich nieder. Sind die anderen alle so schräg oder bin ich es?

Auf jeden Fall werde ich mir im nächsten Jahr die Hochzeitsfallen und den Mord ansehen - oder wie das heißen soll. Es gibt ja einen Notausgang ...

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